FAZ: „Sauerstoffarme Luft“

Märchen aus der Sportmedizin

FAZ, 25.07.2004, Gerd Schneider im Beitrag „Höllenqualen in der Geisterstadt - Höhentraining der Schwimmnationalmannschaft in Sierra Nevada, 2300 m“: „Wer in dünner, also sauerstoffarmer Luft trainiert, zwingt den Organismus dazu, die Sauerstoffversorgung der Muskulatur zu verbessern.“

Institut für Sportdiagnostik: Der Sauerstoffgehalt der Luft beträgt immer 20,9 Prozent; egal ob in Hamburg auf Meereshöhe, in 3000 oder 8000 m Höhe auf dem Mount Everest. Was sich in dieser Reihenfolge jedoch entscheidend verringert ist der Luftdruck, der mit zunehmender Höhe immer weniger Sauerstoff an die Erythrozyten beim Gasaustausch in der Lunge zu binden vermag (Sauerstoffpartialdruck, PO2), sodass entsprechend auch immer weniger Sauerstoff im Arbeitsmuskel (Energie) abgegeben werden kann bzw. verfügbar ist. Während der PO2 auf NN 149 mmHg in der Trachealluft beträgt, verringert sich dieser Betrag auf 100 mmHg in 3000 m bzw. auf 46 mmHg in 8000 m Höhe und erklärt somit die deutlich reduzierte Leistungsfähigkeit des Menschen beim Training oder Bergsteigen.

Literatur: Körperliche Leistungsfähigkeit in der Höhe, P.O. Astrand in: Zentrale Themen der Sportmedizin, 3. neubearbeitete u. ergänzte Auflage, Springer-Verlag, 1986.

Schneider: „Alle Erfahrung spricht dafür, dass Athleten nach einem dreiwöchigen Höhentraining für einige Wochen leistungsfähiger sind. Allerdings gibt es bis heute keinen wissenschaftlich fundierten Nachweis für diese Annahme.“

Institut für Sportdiagnostik: In der Längsschnittuntersuchung von Mader, Hartmann, Hollman: Einfluss eines Höhentrainings auf die kardiopulmonale Leistungsfähigkeit in Meereshöhe (Zentrale Themen der Sportmedizin, 3. neubearbeitete u. ergänzte Auflage, Springer-Verlag, 1986) an 15 Eliteruderern wurde wissenschaftlich einwandfrei belegt:

„Der signifikante Anstieg des Ruhe-Hämoglobinspiegels (Hb) gegenüber dem 1. Test am Anfang des Höhentrainings zum 2. Test am Ende betrug 0,53 %.

Dieser Hb-Anstieg bedeutet eine rund 400 ml/min größere O2-Transportkapazität und damit verbundene um 23 Watt höhere Leistung, die sich in den vergleichenden Ruderegometertests (Gjessing) im Flachlandland vor, am Anfang, am Ende des Höhentrainings und bei Rückkehr ins Flachland nachweisen ließ. Zusätzlich bedeutet eine Zunahme des Hb eine höhere Protein-Pufferkapazität, die bei hoher Ausbelastung im Wettkampf bzw. bei der schnellen Wiederherstellung eine nicht unbedeutende Rolle spielt.“

Dieser positive Effekt auf die Ausdauerleistung kann jedoch nur dann von Sportlern erzielt werden, wenn milde aerobe Trainingsbelastungen (besonders in den zwei ersten Wochen eines Höhentrainings) im Schwimm-, Rad- oder Rudertraining vorgegeben werden. Im Einzelfall kann der Hb-Anstieg 1-2 % mit entsprechend deutlicher Steigerung der Ausdauer- und Wettkampfleistung betragen, es kann aber auch umgekehrt, z.B. auf Grund von Defiziten im Eisenstoffwechsels zu geringen oder keinen positiven Adaptationen kommen.